Loslassen im Herbst: Ein sanftes Ritual mit fallenden Blättern

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Abstrakte Grafik: weich gezeichnete Blätter in warmen Herbsttönen schweben sanft durch einen hellen Raum

Ein grauer Herbstnachmittag. Vor dem Fenster löst sich ein gelbes Blatt vom Ast, dreht sich ein paarmal in der Luft und landet ganz leise im Gras. Kein Kampf, kein Festhalten. Es fällt einfach.

Atme einmal tief ein und lass den Atem langsam wieder gehen. Spürst du, wie sich dabei etwas in dir ein kleines bisschen löst? Genau darum geht es heute.

Was die Bäume uns zeigen

Bevor ein Baum im Herbst seine Blätter gehen lässt, holt er sich zurück, was ihn nährt. Er zieht die Nährstoffe aus den Blättern in sich zurück. Das Grün verblasst, und zurück bleiben gelbe und rote Farbstoffe, die langsamer vergehen und nun zu leuchten beginnen.

Erst dann lässt er los. Denn über die Blätter würde er im Winter viel Wasser verlieren, das er bei gefrorenem Boden kaum nachholen könnte. Das Loslassen ist für ihn kein Verlust, sondern eine Art, gut durch die stille Zeit zu kommen.

Vielleicht magst du dieses Bild eine Weile mit dir tragen: Behalte, was dich nährt. Und lass sanft gehen, was dich gerade nur noch Kraft kostet.

Loslassen darf klein beginnen

Loslassen klingt manchmal so groß, als müsstest du dich von einem ganzen Lebensabschnitt verabschieden. Dabei fängt es oft im Kleinen an. Ein Termin, den du absagst. Eine Erwartung an dich selbst, die nie wirklich deine war. Ein Gedanke, den du heute schon zum fünften Mal denkst.

Du musst nichts erzwingen. Manches löst sich erst, wenn es so weit ist, wie ein Blatt, das noch ein paar Tage am Ast hängt. Auch das ist in Ordnung.

Dein Loslass-Ritual zum Mitmachen

Nimm dir zehn Minuten und such dir bei einem Spaziergang ein heruntergefallenes Blatt aus, das dir gefällt. Wenn du drinnen bleiben möchtest, schneidest du einfach eine Blattform aus Papier aus.

Setz dich an einen ruhigen Platz und halte das Blatt in deinen Händen. Schau es dir genau an, die Adern, die Farben, die kleinen Risse. Atme ein paar Mal ruhig ein und aus.

Dann frag dich leise: Was darf ich in diesem Herbst gehen lassen? Wenn dir etwas einfällt, schreib ein einziges Wort darauf, oder denk es nur. Und frag dich auch: Was möchte ich behalten, weil es mich nährt?

Zum Schluss legst du das Blatt mit einem langen Ausatmen auf die Erde, unter einen Baum oder in ein Beet. Bleib noch einen Moment stehen und spür nach, wie es sich anfühlt, die Hände wieder frei zu haben.

Ein sanfter Hinweis: Nasses Laub kann rutschig sein, achte draußen gut auf deine Schritte. Und wenn beim Loslassen schwere Gefühle hochkommen, etwa Trauer um einen Menschen oder eine Last, die du nicht allein tragen magst, sei bitte behutsam mit dir. Sprich mit jemandem, dem du vertraust, oder hol dir Unterstützung, zum Beispiel bei deiner Hausarztpraxis oder bei der TelefonSeelsorge, kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

Und jetzt du

Welches Blatt würdest du heute gern fallen lassen? Vielleicht nimmst du es dir für deinen nächsten Spaziergang vor, ganz ohne Eile.

Wenn dir das Loslassen von Dingen leichter fällt als das von Gedanken, findest du schöne Anregungen in unserem Beitrag über Minimalismus. Wie du deinen Gedanken im Sitzen freundlich zuschauen kannst, zeigt dir unsere Anleitung Meditation lernen, und kleine Rituale, die dich tragen, findest du bei der Selbstfürsorge im Alltag.

Deine Sundflair-Redaktion

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