Der Nebel liegt noch über den Wiesen, als du am Morgen das Fenster öffnest. Die Luft riecht nach feuchtem Laub. Auf dem Fensterbrett steht ein Teelicht, daneben ein Foto, an dem dein Blick heute etwas länger hängen bleibt.
Vielleicht denkst du in diesen Tagen an jemanden, der fehlt. Eine Großmutter, einen Freund, einen Menschen, dessen Lachen du noch im Ohr hast. Atme einmal tief ein und lass diesen Gedanken einfach da sein. Er darf bleiben.
Zwei Tage voller Lichter
Am 1. November ist Allerheiligen, am Tag darauf Allerseelen. In der katholischen Tradition gedenkt man an Allerheiligen der Heiligen, und dazu zählen auch all die Menschen, die ihren Glauben ganz still gelebt haben. Allerseelen ist der Tag, an dem an alle Verstorbenen gedacht wird. Im Alltag sind beide Tage längst zu einem einzigen Fest des Erinnerns zusammengewachsen.
Viele Familien schmücken in diesen Tagen die Gräber mit Blumen und grünen Zweigen, die für Hoffnung stehen. Und sie zünden kleine Lichter an, die Seelenlichter. Wer am Abend über einen Friedhof geht, sieht dann oft ein ganzes Meer aus warmen Punkten im Dunkeln.
Erinnern, auch ohne Grab in der Nähe
Nicht jede und jeder hat ein Grab in der Nähe. Manche Menschen ruhen weit weg, manche ganz ohne Grabstein, und manchmal ist es auch kein Mensch, sondern ein Tier, das dir gefehlt hat. Auch Glauben ist keine Voraussetzung. Erinnern geht überall: am Küchentisch, auf einem Spaziergang, auf einer Bank im Park.
Es braucht nicht viel. Ein Licht, ein Gegenstand, ein paar ruhige Minuten. Das Ritual weiter unten ist eine Einladung, die du ganz nach deinem Gefühl anpassen darfst.
Ein Ort für deine Erinnerung
Such dir einen kleinen Platz in deiner Wohnung. Ein Brett am Fenster reicht, eine Ecke auf der Kommode, ein Teller auf dem Tisch. Leg dorthin, was dich verbindet: ein Foto, einen Brief, eine Tasse, ein Rezept in vertrauter Handschrift, ein paar Zweige oder Blätter vom letzten Spaziergang.
Wenn du eine Kerze anzündest, lass sie nie unbeaufsichtigt brennen und halte Abstand zu Vorhängen, Zweigen und Papier. Ein LED-Licht schenkt dir denselben warmen Schein, wenn du lieber ganz sorglos sein möchtest.
Dein Erinnerungsritual zum Mitmachen
Nimm dir etwa zehn Minuten. Du kannst das Ritual allein machen oder mit Menschen, die ebenfalls an diese Person denken.
Ankommen: Setz dich vor deinen kleinen Ort. Spür den Boden unter deinen Füßen und atme ein paarmal langsam ein und noch etwas länger wieder aus.
Licht entzünden: Zünde dein Licht an und schau eine Weile in die Flamme. Sprich, wenn du magst, leise den Namen des Menschen aus, an den du denkst.
Erinnern: Lass ein Bild in dir auftauchen. Wie hat dieser Mensch gelacht, welcher Duft erinnert dich an ihn, welchen Satz hat er immer wieder gesagt? Du musst nichts festhalten. Lass kommen, was kommt.
Danken: Schreib einen Satz auf, der mit „Danke für …“ beginnt. Oder einen, der mit „Ich hätte dir gern noch gesagt …“ beginnt. Leg den Zettel zu deinem Foto.
Ausklingen: Leg eine Hand auf dein Herz und atme noch dreimal ruhig. Lösch das Licht, wenn es sich richtig anfühlt, oder lass es unter deinen Augen noch ein wenig weiterbrennen.
Vielleicht kommen Tränen, vielleicht ein Lächeln, vielleicht beides. Alles darf sein. Wenn die Trauer dich gerade sehr schwer drückt, bist du damit nicht allein. Die TelefonSeelsorge hört dir kostenfrei und rund um die Uhr zu, unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, auch per Chat und E-Mail.
Und jetzt du
An wen denkst du in diesen Novembertagen, und was hilft dir beim Erinnern? Wenn du magst, erzähl es uns in den Kommentaren. Manchmal tröstet es, zu lesen, dass andere ähnlich fühlen.
Für die Abende danach findest du ein warmes Ritual bei Herbstabend mit Kerze und Tee. Wenn du einen Moment Ruhe für deinen Atem suchst, schau bei Atemübungen gegen Stress vorbei, und kleine tragende Gewohnheiten sammeln wir in Selbstfürsorge im Alltag.
Deine Sundflair-Redaktion

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